Zum Rücktritt von Sabine Maur

In Deutschland besteht aktuell eine unzureichende Versorgungssituation für transgeschlechtliche und non-binäre Personen. Während rechtliche Fortschritte wie das Selbstbestimmungsgesetz die Anerkennung geschlechtlicher Identitäten erleichtern, bleibt die medizinische und psychotherapeutische Versorgung hinter den fachlichen Standards und kapazitären Anforderungen zurück. Es bedarf daher dringend einer evidenzbasierten und politischen Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen unter anderem für die Kostenübernahme körpermedizinischer Maßnahmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) nimmt den Rücktritt von Sabine Maur von ihren Ämtern als Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz sowie als Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer mit großem Bedauern zur Kenntnis und sieht ihn zugleich mit Sorge. Sabine Maur hat sich über viele Jahre mit außergewöhnlichem Engagement und hoher fachlicher Expertise für die Belange von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten und insbesondere auch transgeschlechtliche und non-binäre Menschen eingesetzt. Als Mitautorin zentraler Leitlinien und profilierte Stimme in berufspolitischen Gremien hat sie die Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und bedarfsgerechten Versorgung maßgeblich geprägt. Ihr Rückzug aus ihren verantwortungsvollen Positionen stellt einen bedeutsamen Verlust für die Vertretung marginalisierter Gruppen im deutschen Gesundheitssystem dar. Wir danken Sabine Maur für ihre langjährige Arbeit und ihren unermüdlichen und wichtigen Einsatz für die gesundheitliche Gleichstellung.

Über den konkreten Einzelfall hinaus verurteilt die DGfS die organisierten und nicht zuletzt durch die Dynamiken sozialer Medien verstärkten Angriffe auf Personen, die sich fachlich und gesundheitspolitisch für die Versorgung sowie die gesellschaftliche Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten einsetzen. Es ist offensichtlich, dass die weiterhin bestehenden gesundheitspolitischen und rechtlichen Leerstellen, insbesondere im Hinblick auf die Kostenübernahme körpermedizinischer Maßnahmen, dazu führen, dass in der Versorgungspraxis Ambivalenzen und Unsicherheiten entstehen. Es ist ein falsches und problematisches Signal, wenn unter solchen Bedingungen ausgerechnet hochengagierte Expert*innen zum Ziel öffentlicher Kampagnen werden.

Die aus den weiterhin ungelösten rechtlichen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen entstehenden Kontroversen dürfen nicht dazu führen, dass ausgerechnet engagierte Fachpersonen zu Leidtragenden werden.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung

 

Die Herausgebenden der Zeitschrift für Sexualforschung

 

Die Herausgebenden der Beiträge zur Sexualforschung

 

 

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Johannes Fuß
Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie und Sexualforschung
Universität Duisburg-Essen
Postfach 103043
45030 Essen
fuss@dgfs.info

Prof. Dr. Richard Lemke
Professur für Methoden der Empirischen Sozialforschung
Hochschule Merseburg
Eberhard-Leibnitz-Str. 2
06217 Merseburg
lemke@dgfs.info